Produktion einer Synchronfassung

Produktion einer Synchronfassung

Für gewöhnlich tritt als Auftraggeber ein Rechteinhaber oder Lizenznehmer auf und schreibt die Vergabe einer Synchronisation zwischen mehreren Studios aus. Diese Synchronstudios erstellen anhand der vorliegenden Informationen zur Produktion Angebote, aus denen der Auftraggeber auswählt. Nicht weniger branchenüblich ist aber auch die direkte Vergabe von Produktionen an eine bestimmte Synchronisationsfirma.

Das beauftragte Synchronstudio gibt eine Rohübersetzung des fremdsprachigen Originaldialogs in Auftrag. Dazu werden meist freie Mitarbeiter eingesetzt, die darüber hinaus nicht an der Produktion beteiligt sind und weder Originalton noch Bild als Referenzmaterial für ihre Übersetzung erhalten. Ein Umstand, der diesem Verfahren auch den Namen „Blindübersetzungen“ einbrachte. Möglich ist eine Verfeinerung der Rohübersetzung  auf Satzebene durch den für das Projekt zuständigen Synchronregisseur (vgl. Pruys, 2009, p. 91). Aus der Rohübersetzung entsteht, in der Regel durch die Synchronregie, die lippensynchrone Fassung für die Aufnahme. Hier werden die Texte im Hinblick auf Labiale im originalen Bildmaterial angepasst sowie Referenzen und Redewendungen bei Bedarf substituiert. Ferner werden Markierungen für hörbare Atmer, Kunstpausen und Laute im Dialogbuch notiert und längere Textabschnitte in einzelne Takes unterteilt.

Die Synchronschauspieler werden entweder direkt, meist aber in Absprache mit dem Auftraggeber besetzt. Häufig werden diesem als Ergebnis eines Castings mehrere mögliche Besetzungen präsentiert und dann die Wahl gelassen. Für die Aufnahmen werden die Synchronschauspieler in die Ateliers der Synchronfirmen eingeladen und erarbeiten mit Dialogregie, Cutter und Tontechniker die jeweiligen Takes. Während das Verfahren der Atelierarbeit in Deutschland so aussieht, dass die Texte aus einem – auf einem Pult vor dem Synchronschauspieler liegenden – Take-Buch abgelesen und eingeprägt werden, ist es in Frankreich üblich, diese als Laufschrift auf dem Monitor einzublenden. Die französische Methode bietet zuweilen mehr Textsicherheit auf Kosten von Authentizität (vgl. Pruys, 2009, p. 95).

Die Postproduktion der Synchronfassung liegt, falls notwendig, ebenfalls bei dem Synchronstudio, ehe eine Ausspielung für den Auftraggeber erfolgt.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der Bachelorthesis „Transferprozesse deutscher Filmsynchronisation – Qualitätsmerkmale im Aufgabenbereich der Synchronregie“ von Jan Theurich aus dem Jahr 2020.
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Syurichu

BAA. / Regisseur und Produzent aus NRW VAN Administrator