Qualitätsmerkmale in der Atelierarbeit

Qualitätsmerkmale in der Atelierarbeit

Obgleich die Arbeit als Synchronregie zunächst augenscheinlich lediglich in der Imitation des Originals besteht, bedarf es einer Vielzahl an Kompetenzen, fachlicher und sozialer, um diese Aufgabe angemessen auszuführen.

[…] gefragt ist Lebenserfahrung, Einfühlungsvermögen und eine gute Allgemeinbildung, ein breites Wissen sollte abrufbar und darüber hinaus ein differenziertes Denken und Wahrnehmen möglich sein.“

(E. Paulsen in Pahlke, 2009, p. 36)

Ferner zitiert Pahlke Paulsen in diesem Zusammenhang mit „kultureller und intellektueller Wachheit„.

Fachliche Qualitäten einer Synchronregie

Oberstes Gebot für die Regiearbeit in der Synchronisation ist die sogenannte „Werktreue“. Dieser Begriff beschreibt die Verantwortung des Synchronisationsteams, im Sinne des Originals zu agieren. Veränderungen, Auslassungen und Anfügungen sind zu unterlassen. Für die inhaltliche Arbeit als Synchronregie bedeutet Werktreue also die Verpflichtung, die Welt, ihre Figuren und deren Handlung nicht nur zu reproduzieren, sondern auch in ihrer Tiefe und Bedeutung zu verstehen.

So geht der praktischen Regiearbeit zunächst eine umfassende Lektüre des Stoffs und gegebenenfalls eine gründliche Recherche voraus. Um den Film unter Berücksichtigung seiner Absicht, sowie die ihm zugrundeliegende Botschaft zu entziffern, bedarf es filmtheoretischer, analytischer Kompetenzen wie etwa aus dem Bereich des Filmschauspiels oder der Filmregie sowie eines dramaturgischen Gespürs für Figuren, Konflikte und Emotionen. Neben diesem grundlegenden Verständnis ist dabei vor allem die eigene Lebenserfahrung von Bedeutung. Jeder gegebene Einfluss, jede Begegnung, jede eigens erlebte Situation aus dem Leben der Synchronregie kann dabei helfen, entsprechende Sachverhalte, Beweggründe und Lebensrealitäten der Figuren im Originalstoff zu begreifen.

Man muss schon ein bisschen Erfahrung mit dem richtigen Leben haben und darf kein blutleerer Bücherwurm sein, der außer Schule und Universität noch nichts gesehen hat. […] wenn im Film normale Menschen vorkommen mit ganz normalen Berufen und entsprechenden Problemen, muss man sie und ihre Situation verstehen und nachvollziehen können.

(E. Paulsen in Pahlke, 2009, p. 36)

Folglich ist neben einer filmischen oder schauspielerischen Ausbildung das Leben selbst mit die hilfreichste Schule für die Arbeit einer Synchronregie. Diese Einflüsse bilden das Werkzeug, sich mittels Analyse in die Welt des Films und dessen Intention, sowie in die originale Regie hineinversetzen zu können, um dann deren Arbeit in der Zielsprache fortführen zu können.

Soziale Qualitäten einer Synchronregie

Die Arbeit der Synchronregie beschränkt sich dabei nicht allein auf gegenstandsbezogene Sacharbeit. Während der gesamten Produktionsdauer ist sie Ansprechpartner für den Kunden, die Mitarbeiter und die Externen wie zum Beispiel die Sprechenden. Sie vermittelt während der Atelierarbeit und verantwortet sämtliche Resultate gegenüber der Produktion und dem Kunden. Als kommunikatives Bindeglied zwischen all diesen Interessen und Gewerken stellt sich der Synchronregie die Aufgabe, alle Beteiligten möglichst zufriedenzustellen, um so die Qualität der Zusammenarbeit und vor allem die der Ergebnisse sicherzustellen. Denn „Das A und O einer gelungenen Synchronisation ist eine gute Atmosphäre im Studio.“ (E. Paulsen in Pahlke, 2009, p. 43)

In der Besetzung der Sprechenden genießt die Regie relative Freiheit. Zumindest insofern, als dass sie frei nominieren darf. Die Entscheidung wird dabei allerdings stets in Abstimmung mit der Aufnahmeleitung, immer häufiger jedoch auch mit dem Kunden, gefällt. Keinen Einfluss hingegen hat die Synchronregie in aller Regel auf die Personalien für die technischen Positionen im Team. Diese werden in aller Regel mit fest angestellten Mitarbeitenden der Synchronfirma besetzt.

Entgegen der häufigen Annahme seitens der Kunden ist eine erstklassige Besetzung nicht unbedingt ein Garant für eine hohe Qualität der Produktion. Vor allem – aber nicht ausschließlich – in der Zusammenarbeit zwischen Regie und Sprechenden geht es auch um Synergie, Sympathie und um Kompatibilität, die selbst zwischen zwei anerkannten Profis nicht immer zwangsläufig gegeben sein muss. Zumeist macht sich eine daraus resultierende schlechte Stimmung durch Missklänge bemerkbar und kann zu spürbaren Leistungsabfällen führen. (vgl. Pahlke, 2009, p. 43)

In der Natur des Beschäftigungsverhältnisses liegt dabei, dass sich im Konfliktfall Sprechende und Regieführende als zugebuchte Externe eher mit einer Beendigung der Zusammenarbeit an künftigen Projekten als Konsequenz bedroht sehen müssen.

Syurichu

BAA. / Regisseur und Produzent aus NRW VAN Administrator