Teil 3/4: Qualitätsmerkmale in Dialogbüchern

Teil 3/4: Qualitätsmerkmale in Dialogbüchern

Ornatus – Figurensprache authentisch ausschmücken

Neben praktischen Kriterien gilt es im Dialogbuch ebenfalls, die soziodemografischen Hintergründe der einzelnen Figuren zu berücksichtigen. Beispielsweise der Einfluss von Alter, Kultur und Bildungsgrad einer Figur können und sollten sich im Wortschatz und ihren Sprechweisen wiederfinden.

Zu einem Austausch von fremdsprachlichen durch deutsche Dialoge kommt es in allen lippensynchronen Fassungen. Dadurch geht die Authentizität der Schauplätze verloren. […] Bleiben fremdsprachliche Anreden und ausländische Geräusche erhalten, entsteht das Mallorca-Syndrom.

(Pruys, 2009, p. 121)

Unter dem Mallorca-Syndrom versteht man die Wahrnehmung des Auslands als Fortsetzung der deutschen Heimat. Der Name dieses Phänomens geht aus der großen Beliebtheit der gleichnamigen spanischen Insel hervor, die von deutschen Urlaubern oft als das „17. Bundesland“ bezeichnet wird. Der Durchschnittsbürger geht aufgrund der großen Beliebtheit dieses Reiseziels unter Deutschen davon aus, dass Mallorca vorrangig deutsch geprägt, und lediglich um einen leichten Einschlag des spanischen Lebensgefühls reicher sei. Übertragen auf die Synchronarbeit beschreibt das Mallorca-Syndrom die Erwartung, dass auch bei Filmen und Serien, deren Handlungsort im Ausland liegt, die Figuren astreines Deustch sprechen, dabei aber einen Lokalkolorit beibehalten. So zu sehen etwa in der deutschen Fassung der Action-Serie HAWAII 5-0 (2012-2020),  in der die Figuren sich trotz korrekten Hochdeutschs im Dialog mit „Aloha“ begrüßen, mit „Mahalo“ bedanken und einander „Brother“ und „Sister“ nennen. Trotz der Inkonsequenz der Sprache wird diese Ausgestaltung vom Publikum als authentisch wahrgenommen und vermittelt die Kultur des Spielorts.

Weitere Gebote für Sprache und auch Sprachverständlichkeit können sich auch aus der Zielgruppe des Films oder dessen Genre ergeben. So neigen Historienfilme eher zum Gebrauch archaischer Sprache und Zeichentrickserien für Kinder hingegen werden besonders simpel getextet (vgl. Pahlke, 2009, p. 39f.).

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der Bachelorthesis „Transferprozesse deutscher Filmsynchronisation – Qualitätsmerkmale im Aufgabenbereich der Synchronregie“ von Jan Theurich aus dem Jahr 2020.
© Alle Rechte vorbehalten. (VAN Deutschland wurde die Nutzung vom Urheber gestattet.)

Syurichu

BAA. / Regisseur und Produzent aus NRW VAN Administrator