Ursprünge der Filmsynchronsation

Ursprünge der Filmsynchronsation

Nie war die Lokalisation von Filmen so leicht wie zu Zeiten ihrer Geburt. Stummfilme aus aller Welt konnten problemlos importiert und verstanden werden; eingeblendete Texttafeln ließen sich leicht austauschen. Im Zuge der Einführung des Tonfilms waren die Verleiher mit neuen Hürden im Export ihrer Filme konfrontiert.

Zunächst drehte man deshalb mehrere Fassungen des selben Films, indem beispielsweise französische Schauspielende ein Motiv bespielten und im Anschluss deutsche Darstellende; bilinguale Besetzungen wurden zumeist beibehalten. Aufgrund dieser kostenintensiven Produktionsweise ging die Tendenz dabei zunehmend in Richtung der Nachsynchronisation.

Frühe Kritik, etwa aus der Deutschen Filmzeitung, lautete schon damals auf die Rolle der Synchronisation als Notbehelf und die Unfähigkeit, das Synchronschauspiel so zu gestalten, dass es mit Lippen, Ausdruck und Bewegung des Originals deckend übereinstimme (vgl. Anon., 1930, pp. 1, 7). Aus weiteren Redaktionen hieß es schlicht „Betrug“, „Fälschung“ und „Afterkunst“. Das Publikum hingegen war zunehmend ob der Einfachheit der Option begeistert, die Filmhandlungen mit ihren liebsten ausländischen Schauspielenden nun auch in der eigenen Muttersprache verfolgen zu können (vgl. Bräutigam, 2013, p. 9ff).

Synchronisation als Mittel der Zensur

Die Synronisation, die sich bis 1932 weiterentwickelte und gegen die anderen Methoden der Lokalisation behaupten konnte, erlebte mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ab 1933 eine starke Stagnation. (vgl. Pahlke, 2009, p. 28) Das Regime agierte zunächst als Filter, selektierte ausländische Filme die den eigenen Werten entsprachen und verlieh ausgewählten Produktionen das Prädikat „staatspolitisch wertvoll“, ehe es ab 1940 amerikanische Filme fast vollständig verbannte und lediglich Produktionen aus dem eigenen und aus besetzen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich zuließ. (vgl. Bräutigam, 2013, p. 15f)

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs regenerierte sich als erster Teil der deutschen Filmindustrie die Synchronbranche. In dieser Zeit gründeten die Besatzungsmächte in West und Ost eigene Ateliers und brachten bekannte Heimatproduktionen der Kriegsjahre erstmals nach Deutschland. Dabei unterlagen diese Fassungen teils schwerwiegenden Eingriffen seitens der damals noch viel einflussreicheren Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft FSK, die sich in Zusammenarbeit mit den Filmverleihern um „Deutschenfreundlichkeit“ bemühte (vgl. Pahlke, 2009, p. 29f). Die Wertvorstellungen, auf die Bearbeitungsphänomene zurückgehen, sind dabei eher zielgruppenspezifisch als gesamtgesellschaftlich definiert (vgl. Pruys, 2009, p. 26).

Sozialkritik wird fast immer neutralisiert. Ebenso werden negative Anspielungen auf Deutschland oder Deutsche ausgemerzt. Inhalte aus der Sexualsphäre, Anspielungen auf Homoerotik und brutalitätsbeladene Wendungen erfahren meist keine inhaltsentsprechende Übertragung.

(Hesse-Quack, 1967, p. 239)

Erst mit der Welle der Aufklärungsfilme ab 1960, die für die Verleiher lukrativ zu werden versprach, verlor die FSK angesichts dessen zunehmend ihren zensorischen Einfluss (vgl. Pahlke, 2009, p. 30).

Synchronisation heute

Mit DVDs, speziellen Kinovorführungen und Streamingdiensten haben die Konsumenten heute einfach Zugang zu Filmen im Originalton und können sich für die von ihnen präferierte Fassung entscheiden. Obgleich laut einer Statista-Umfrage in 2017 rund 58% der Befragten angaben, Serien nur auf deutsch zu schauen (Kunst, 2019), ist durch das wachsende Bewusstsein für das Vorhandensein von Synchronisation und ihren Unterschieden zum Originalstoff das Publikum wählerischer und kritischer als je zuvor. Gleichzeitig, oder vielleicht sogar deswegen, wächst der Druck auf die Synchronbranche.

Dennoch bleiben die Gagen und die Wertschätzung der Arbeit in der Synchronisation, sowie die Anerkennung dieser als Kunst, trotz des steigenden Arbeitspensums gering. Aus Kostengründen können sichergeglaubte Stammbesetzungen, trotz der teils jahrzehntelangen Erfahrung und Routine, aufgehoben werden. Zunehmend findet zu Marketingzwecken eingekaufte TV-Prominenz ohne zureichende Eignung zu horrenden Gagen ihren Weg in die Studios. (vgl. Bräutigam, 2013, p. 40)

Die Synchronbranche steht unter einem enormen kapitalistischen Druck. Dies äußerte sich in etwa bei der Produktion der deutschen Fassung der finalen Staffel der Erfolgsserie GAME OF THRONES (2011-2019). Die Ausstrahlung auf dem Pay-TV-Sender Sky erfolgte in Deutschland zeitgleich zum englischen Original, dabei durch die Zeitverschiebung aber sechs Stunden versetzt. Für die Herstellung der deutschsprachigen Fassung wurden dem Team dabei nur wenige Tage Zeit vor der Ausstrahlung eingeräumt. Aus Angst vor Spoilern, Piraterie und daraus resultierenden finanziellen Einbußen wurde das Material so spät wie möglich freigegeben und die Vertonung unter Hochdruck beinahe tagesaktuell produziert.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der Bachelorthesis „Transferprozesse deutscher Filmsynchronisation – Qualitätsmerkmale im Aufgabenbereich der Synchronregie“ von Jan Theurich aus dem Jahr 2020.
© Alle Rechte vorbehalten. (VAN Deutschland wurde die Nutzung vom Urheber gestattet.)

Syurichu

BAA. / Regisseur und Produzent aus NRW VAN Administrator